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Pfarrer
Dr. Thomas Wabel sind Kontakte zu den Menschen wichtig
Von der Berliner Humboldt-Universität nach Cleeberg
und Espa
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Durch Dekan Jörg - Michael Schlösser (r) wurde Pfarrer Dr. Thomas Wabel
(I.) in einem feierlichen Gottesdienst eingeführt, 2. v. I. Doris Jung,
stellvertretende Vorsitzende vom Cleeberger Kirchenvorstand, 2. v. r.
Jutta Kutt, Vorsitzende des Espaer Kirchenvorstands (vgl. Bericht).
Am Sonntag wurde Dr. Thomas Wabel in der Cleeberger Kirche von Dekan
Jörg - Michael Schlösser als Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinden
Cleeberg und Espa in einem Gottesdienst eingeführt. Wabel ist bereits
seit dem l. März in beiden Gemeinden tätig, zuvor war er wissenschaftlicher
Mitarbeiter im Bereich systematische Theologie an der Berliner Humboldt-Universität.
"Es war ein großer Schritt von der Spree an den Kleebach",
begrüßte ihn Doris Jung, stellvertretende Vorsitzende vom
Cleeberger Kirchenvorstand. In der Tat: Von der Berliner Hochschule
in eine kleine Kirchengemeinde - das scheint auf den ersten Blick ein
überraschender Weg. Dass Pfarrer Wabel ihn dennoch beschritten
hat, liegt nicht nur daran, dass seine Frau persönliche Kontakte
nach Cleeberg hatte und die Familie dort im Jahr 2004 einen Urlaub auf
der Burg verbrachte. Dieser Weg passt auch zur Person des neuen Pfarrers,
der alles andere ist als ein abgehobener Hochschullehrer, sondern dem
der persönliche Kontakt zu den Menschen wichtig ist.
Studiert hat Wabel in Heidelberg, Bonn und Oxford, nach der Promotion
führte ihn das Vikariat nach Jugenheim (Rheinhessen). Im anschließenden
Spezialvikariat erprobte er als Vorstandsassistent einer großen
diakonischen Einrichtung in Münster, ob eine Tätigkeit in
der Verwaltung ihn reizen könnte. "Das ist es nicht",
stellte er fest. Geprägt haben ihn vielmehr die 2 Jahre, die er
als Zivildienstleistender in der Nieder-Ramstädter Diakonie verbrachte.
Dort hat er im Pflegedienst in einer Wohngruppe mit Behinderten gearbeitet
und gelernt, dass "Normalität" ein relativer Begriff
ist. Auf dem Gelände in Nieder-Ramstadt leben und arbeiten mehrere
hundert Menschen. Da kennt man nicht jeden "und manchmal, wenn
mir jemand begegnete, habe ich ihn gefragt, ist das jetzt ein Bewohner
oder ein Mitarbeiter?"
Hinter die Dinge zu schauen und hinter die Menschen - das findet Thomas
Wabel spannend. Ob in der Auseinandersetzung mit theologischen Fragen
an der Universität oder im Alltagsgespräch mit Menschen -
wie Verständigung gelingt, ist eine Frage, die ihn antreibt. Und
dabei ist er kein bisschen universitär-theoretisch, sondern von
einer freundlich-geduldigen Neugierde auf sein Gegenüber. Er findet
das Leben und die Menschen an sich interessant, denn "die Realität
ist. manchmal viel reicher und verrückter als man es sich vorstellen
kann".
Zum Pfarrerberuf kam er fast klassisch: Sein Großvater war Pfarrer,
die Mitarbeit im evangelischen Jugendwerk war entscheidend für
die Berufswahl. "Aber ich hätte auch Kunstgeschichte oder
Romanistik studieren können". Stattdessen wandte er sich der
systematischen Theologie zu und gefragt, was das denn sei, erklärt
er es gehe um die Frage "Wie können Menschen auf die verwegene
Idee kommen, man könnte über Gott was sagen`?" Das kann
er gut: theologische Fragen erklären und übersetzen in die
Alltagssprache. Nach dem Studium hat er im Auftrag der Landeskirche
mit zwei Kollegen daran gearbeitet, das Kernstück protestantischen
Glaubens, die Rechtfertigungslehre Luthera, so zu formulieren, dass
auch Nicht - Theologen sie gut verstehen können.
Seine erste Station als ordinierter Gemeindepfarrer war Falkenstein
im Taunus. Dort wo die Begüterten wohnen, aber auch eben Harz-IV-Empfänger.
Die Unterschiede zwischen unterschiedlichen Schichten seien dort besonders
ausgeprägt - die Aufgabe der Kirchengemeinde sah er darin, integrativ
zu wirken und zu verbinden. Auch 6 Jahre nach seinem Weggang haben zwei
ältere Damen aus Falkenstein den weiten Weg nach Cleeberg nicht
gescheut, um ihrem alten Pfarrer Glück für seine neue Stelle
zu wünschen.
Gelernt hat Wabel in der Falkensteiner Zeit auch, dass Veränderungen
in Kirchengemeinden langsam vonstatten gehen. So tritt er in Cleeberg
nicht mit einem fertigen Programm an, sondern möchte erst einmal
schauen, was möglich ist und auf die Gemeinde passt. Gut kann er
sich vorstellen, mit Kindern zu arbeiten. Töchterchen Alice ist
eineinhalb und zieht mit Ehefrau Charlotte Battenberg ins Pfarrhaus
mit ein und auch die große Tochter Lisa (12), die bei der Mutter
lebt, wird oft im Pfarrhaus zu Besuch sein. Der Kontrast zum bisherigen
Wohnort Berlin könnte zwar kaum größer sein. "Doch
die Landschaft hier hat etwas beruhigendes", findet Wabel. Ob er
allerdings in seiner neuen Heimat genauso viel Fahrrad fährt wie
im Flachland Berlin, wird sich zeigen. Aber auch der Wintersport hat
es ihm angetan und das Windsurfen "aber das geht hier ja nicht
so gut". Neben dem Sport ist ihm auch die Musik wichtig: Der neue
Pfarrer spielt Klavier und Orgel. Ob er dann selbst seinen Gottesdienst
begleiten könnte? "Das hab ich schon mal gemacht, aber das
ist doch ziemlich anstrengend", lacht er.
In seinen beiden neuen Gemeinden möchte er erst einmal "viele
Menschen kennen lemen, die hier leben". Darum hatte er sich auch
keine großen Grußworte zu seinem Amtsantritt gewünscht
- viel wichtiger war ihm Zeit zu haben für das persönliche
Gespräch. Gelegenheit dazu gab es nach dem Gottesdienst bei Kaffee
und Kuchen, in einem gut gefüllten Gemeindehaus nutzten viele Menschen
aus Cleeberg und Espa die Gelegenheit, mit ihrem neuen Pfarrer einige
Worte zu wechseln. Doris Jung, stellvertretende Vorsitzende
vom Cleeberger Kirchenvorstand, und Jutta Kutt, Vorsitzende vom Espaer
Kirchenvorstand, überreichten Wabel als symbolisches Begrüßungsgeschenk
ein Schälchen mit Weizenkörnern von den Cleeberger Feldern
und wünschten ihm, dass alles was er sät, auf guten Boden
fallen und Frucht bringen möge, damit wir gemeinsam viel ernten
können. Musikalisch umrahmt wurde der Einführungsgottesdienst
durch den Frauenchor der evangelischen Kirchengemeinde Cleeberg, Leitung
Patrick Stinka.
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18.03.2009
Quelle: Butzbacher Zeitung (zö)
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